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Kasuistiken zur muskuloskelettalen Radiologie

Komplikativer Op.-Verlauf

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Eine 59-jährige Frau wird wegen Rupturen der Rotatorenmanschette (SSP, ISP und LBS) erfolgreich operiert. Nach 6 Monaten stellen sich erneut Beschwerden ein. Nachfolgend zeigen Röntgenaufnahmen (true-ap-Projektionen) den Verlauf unmittelbar postoperativ (2020-10), nach initialem Einsetzen von erneuten Beschwerden (2021-04) sowie nach weiteren drei Monaten (2021-06).
Postoperative Humeruskopfnekrose im VerlaufWas sind die charakteristischen Röntgenbefunde, welche Diagnose resultiert?

Humeruskopfnekrose

Postoperativ (2020-10) bestand zunächst ein unauffälliger Röntgenbefund. Bereits sechs Monate später (2021-04) war der Humeruskopf mit Einbruch der Gelenksphärizität entrundet. Direkt einer Gelenkstufe benachbart fand sich subchondral eine umschriebene Aufhellungszone. Diese entwickelte sich innerhalb von weiteren drei Monaten (2021-07) langstreckig am deformierten Humeruskopf zum klassischen "crescent sign" weiter. Es resultierte somit die Diagnose einer Humeruskopfnekrose.

Pathoanatomie: Bei der Humeruskopfnekrose besteht eine Ischämie mit Schwerpunkt im peripheren, subchondralen Knochenabschnitt. Die Ischämie hat ihre Ursache im Verschluss der intraossären Vasa nutritiae, die von der A. circumflexa humeri anterior und der A. circumflexa humeri posterior versorgt werden. Aufgrund des retrograden Verlaufs der Vasa nutritiae ist die subchondrale Zone des Humeruskopfes eine vaskuläre Terminalzone ("letzte Wiese") mit Prädisposition zur Osteonekrose.

Als Behandlung wurde eine inverse Schulterprothese implantiert.

Weiterer Verlauf der HumeruskopfnekroseWeiterer Verlauf: Weitere acht Monate später (2022-03) verspürte die Patientin einen heftigen, akut auftretenden Schmerz an der Dorsalseite der rechten Schulter. Diese waren Anlass zur erneuten Röntgendiagnostik. Was ist jetzt die Beschwerdenursache?

Fraktur der Spina scapulae

Die Glenosphäre und der humerale Prothesenteil weisen normale Positionen mit festem Sitz auf. Die Spina scapulae ist frakturiert mit breit klaffendem Frakturspalt und kaudaler Dislokation des Akromions.

Pathoanatomie: Die Fraktur der Spina scapulae nach Implantation einer inversen Schulterprothese hat biomechanisch mehrere Ursachen:

  • Die Spina scapulae wird intensiver belastet durch den vermehrten Einsatz des M. deltoideus bei gleichzeitigem Funktionsverlust der Rotatorenmanschette, insbesondere des M. supraspinatus.

  • Hierdurch kommt es während der Schulterabduktion zum kräftigen Zug an der Spina scapulae.

  • Die tiefere Position der humeralen Prothese führt zur zusätzlichen Belastung der Spina scapulae.

  • Die meisten der Patienten mit einer inversen Schulterprothese haben aufgrund ihres Alters eine Osteoporose.