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Kasuistiken zur muskuloskelettalen Radiologie

Multifokale Schmerzorte - Seite 3

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Hintergrundinformation

Das Akronym „SAPHO“ beschreibt die Leitsymptome „Synovitis“, „Akne“, „Pustulosis“, „Hyperostosis“ und „Osteitis“. Aus dem heterogenen Nebeneinander von Haut- und Knochenbefunden leitet sich auch das Kürzel „Skibo disease“ (skin and bone) ab. Die Erkrankung ist eine autoinflammatorische Erkrankung mit Assoziation von kutaner Beteiligung und chronischer nicht-bakterieller Osteomyelitis. Als Diagnosekriterien gelten:

  • multifokale, sterile Osteomyelitis ohne oder mit pustulöser Hautkrankheit,

  • Arthritis und pustulöse Dermatose und

  • Osteomyelitis und pustulöse Dermatose bzw. Psoriasis.

Folgende Formen des SAPHO-Syndroms werden unterschieden:

  • chronisch rekurrierende multifokale Osteomyelitis (CRMO) in zwei Dritteln der Fälle.

  • Spondylarthritis hyperostotica pustulopsoriatica in knapp einem Drittel der Fälle (Pustulosis palmoplantaris, sternoklavikuläre Hyperostose, Wirbelsäulenläsionen) und

  • selten abortive Formen (ACW-Syndrom = anterior chest wall syndrome, SCCH = sternoklavikuläre Hyperostose, Akne-CRMO, Akne-Spondylitis).

Die chronisch rekurrierende multifokale Osteomyelitis (CRMO) manifestiert sich meist außerhalb des SAPHO-Syndroms mit synchronen bzw. metachronen Osteomyelitiden an den Metaphysen der Röhrenknochen, an den thorakolumbalen Wirbelkörpern und Klavikulae. In 60% liegt eine Pustulosis palmoplantaris vor. Erreger lassen sich meist nicht isolieren, es werden ursächlich anaerobe, hypovirulente Hautkeime diskutiert.

Ob das SAPHO-Syndrom den seronegativen Spondylarthropathien zugeordnet werden sollte, wird konträr diskutiert. Diese Arthropathie-Gruppe umfasst folgenden Entitäten:

  • Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew),

  • Psoriasis-Arthropathie,

  • enteropathische Arthritiden (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa),

  • reaktive (postinfektiöse) Arthritiden und

  • undifferenzierte Spondylarthropathien.

Lernpunkte

Bei multilokulären Gelenk- und Wirbelsäulenläsionen sollte die Anamnese auf den Nachweis von Hautaffektionen ausgedehnt werden. Entzündliche Manifestationen werden am Skelettsystem mit der MRT-Diagnostik häufig früher als in der Radiographie erfasst. Der Radiologie kommt mit der frühzeitigen Diagnose eine wichtige Steuerungsfunktion bei entzündlichen Skeletterkrankungen zu.